Bevor nach einer durchschnittlichen Tragezeit von 59 - 63 Tagen ein Doggenbaby das Licht der Welt erblickt gibt es eine Menge Dinge zu beachten.

Die Auswahl des "Bräutigams"
Als junger Züchter beurteilte ich den Deckrüden nach seinem Aussehen und den errungenen Titeln. Aber nicht immer der Schönste muß für die betreffende Hündin auch der beste sein. Ein guter Lehrmeister war für mich hier der langjährige Züchter vom Zwinger "v.Wotans Meute", Lothar Rechtacek. Von ihm lernte ich, dass es bei einer erfolgreichen Zucht darauf ankommt, die Ahnen der zu verpaarenden Hunde, mit ihren Stärken und ihren Fehlern , genau zu kennen. Man muß wissen , welcher Rüde zu welcher Hündin ahnenmäßig "passt", um gesunde , langlebige und anatomisch korrekte Hunde zu züchten. Der Inzuchtkoeffizient sollte so gering wie möglich sein. Auch der HD-Befund findet Berücksichtigung.


Hochzeit
Ist der Deckrüde ausgewählt, so ist es natürlich wichtig den richtigen Decktag zu finden. Er liegt bei jeder Hündin unterschiedlich, meist zwischen dem 9. und 13. Tag der Hitze. Durch eine Hormonbestimmung im Blut, durch Scheidenabstriche und wenn ein Rüde vorhanden ist, durch Verhaltenstests, lässt sich der Decktag bestimmen. Ich habe in den letzten Jahren auch immer vor dem Decken einen Scheidenabstrich bei der Hündin vornehmen lassen und zur Beurteilung ins Labor geschickt. Bestimmte Kulturen verhindern ein Einnisten der Eier in der Gebärmutter und die Hündin bleibt leer. Wird das vorher erkannt, so kann dies mit Antibiotika behandelt werden. (Resistogramm ist erforderlich) Ist die Hochzeit vorbei , beginnt die Zeit der Ungewissheit und des Wartens.

Tragend oder nicht ?
Diese Frage hat schon "Experten" scheitern lassen. Die moderne Medizin bietet die Möglichkeit des Ultraschalls zur frühzeitigen Erkennung der Trächtigkeit ab 4. Woche. Ich selbst habe es nach einigen Deckakten bei der Hündin durchführen lassen. Ist der Zeitpunkt sehr früh gewählt , kann das Ergebnis auch nicht korrekt sein. Früchte, die auf dem Ultraschall zu sehen waren, sind abgestorben, können absorbiert werden und trotz eines positiven Ultraschalls, ist die Hündin leer. Am Sichersten ist die Diagnose durch Röntgen ab 50-55 Tag. Da hat die Verknöcherung des Skelettes der Welpen schon eingesetzt und die Föten auf dem Röntgenschirm zu erkennen. Für die Hündin ist aber die Strahlenbelastung durch ein wiederholtes Röntgen schädlich und diese Form nur zu empfehlen, wenn der Verdacht auf Einfrüchtigkeit vorliegt. Am Ende der Tragezeit spürt man mit Geduld durch das Auflegen der Hände auf den Bauch der Hündin die Welpenbewegungen( wenn nicht nur 1 oder 2 Welpen da sind ). Das ist einer der schönste Augenblicke für jeden Züchter.

Geburt
Die werdende Mutter lebt die letzten Wochen besonders eng mit uns zusammen, erhält noch mehr Streicheleinheiten als sonst und erhält unsere ganze Aufmerksamkeit. Das Welpenlager ist vorbereitet und wir geben ihr das Gefühl, dass sie nicht allein ist, schlafen auch, wenn erforderlich, in der Wurfkiste. Hat die Geburt begonnen, weichen wir nicht mehr von ihrer Seite. Die Wehentätigkeit wird überwacht und die Hündin beim "Auspacken" der Früchte und beim Abnabeln unterstützt, wenn sie es nicht selbst kann.

Die Welpen werden gewogen und Abzeichen aufgezeichnet, um sie danach bei der täglichen Gewichtskontrolle auseinanderhalten zu können, was bei einem Wurf schwarzer Welpen nicht leicht war, weil alle sehr ähnliche Abzeichen hatten.

Da ich Urlaub nehme , wenn eine Geburt ansteht, verbringe ich natürlich die meiste Zeit in und neben der Wurfkiste. Immer wieder werde ich argwöhnisch von der Hundemama beobachtet, wenn ich einen Welpen von ihr wegnehme , um mit ihm zu knuddeln und immer wieder staune, wie schnell aus so einem kleinen "Etwas" ein Riese von 60-80 kg wird.

Die ersten Schritte
Meist in der 3. Lebenswoche beginnen die ersten Gehversuche unserer "Minidoggen." Sie fangen an , die Wurfkiste zu verlassen und ihre "Geschäfte" außerhalb ihres Lagers zu verrichten. Bald werden die Bewegungen sicherer und das Spielen untereinander beginnt. Mit 5 Wochen ist auch der erste Gang ins Freie geplant. Anfangs ängstlich, dann aber ganz begeistert nehmen sie den neuen Lebensraum mit Spielangeboten an. Das ist auch der Zeitpunkt, wo schon vorhandene Welpenkäufer oder auch Bekannte , an den Wochenenden die Gelegenheit nutzen,sich mit den Welpen zu beschäftigen. Hierbei steht jeder Züchter in einem Zwiespalt. Die Welpen sollen durch vielfältige Kontakte gut sozialisiert werden, aber sie sind noch sehr anfällig gegen Infektionskrankheiten, da die Schutzstoffe, die sie über die Muttermilch aufnehmen, nur noch in geringer Konzentration oder gar nicht mehr vorhanden sind und eine Immunisierung noch nicht ausreichenden Schutz bietet. Wir haben uns immer für die gute Sozialisierung entschieden. Besucher müssen eine Desinfektion von Schuhen und Händen auf sich nehmen, ehe sie zu den Welpen dürfen. Im Gartenauslauf ist Spiel und Spaß angesagt. Erst ist nur die Mutterhündin dabei, dann so ab 7. Woche werden auch alle anderen erwachsenen Doggen dazugenommen. Begeistert nehmen die kleinen Kobolde das Angebot an , außer ihrer Mutter auch ihre Tanten an den Ohren ziehen zu können. Treiben sie es zu toll , bekommen sie schon mal einen Rüffel und haben wieder etwas fürs spätere Hundeleben gelernt. Ende der 7. Woche beginnen wir auch die Welpen mit Eindrücken außerhalb des Grundstückes bekannt zu machen. Wir fahren mit dem Auto auf eine nahegelegene Wiese . Dort können sie nach Herzenslust spielen und die Umwelt erkunden. Die Tiere des Dorfes, wie Schafe , Pferde , Hühner und Gänse werden von Weitem beobachtet. Spielerisch üben wir auch das Anlegen der Leine und laufen auch mal ein paar Schritte ( am Anfang meist rückwärts). Dann gibt's ein Leckerli. Müde und geschafft ist die Rückfahrt zum "Welpenbett" meist problemloser als die Hinfahrt und alle schlafen dann bis zum nächsten Spiel zufrieden ein. Im Zweierpack lernen die Kleinen auch das Haus kennen. Nach dem Schlafen warte ich bis jeder sein kleines Geschäft verrichtet hat und dann dürfen immer 2 mit rein. Dort habe ich ca. 1 Stunde Zeit mit ihnen zu spielen, dann ist die Zeit für "Gassi" wieder da. Wird dies prompt auf der Wiese und nicht auf dem Teppich erledigt, dann gibt's ein dickes Lob. So werden schon die Voraussetzungen für die Stubenreinheit gelegt. Zweimal entwurmt und geimpft kann der Umzug in die neue Familie vonstatten gehen.

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